Ich sehe dich und bin dir nah
Erstellt am 16. Februar 2006 um 23:54 Uhr von Daniel
Abgelegt unter: Gott,Körper, Seele und Geist

Ich kenne deine Sehnsucht. Die Sehnsucht nach einem Gegenüber. Nach einem Menschen, der dir Zuneigung entgegen bringt, der die tiefen Stellen in dir berührt, die verletzt und einsam sind. Nach einem Menschen, der sich nicht abwendet, wenn er dich nackt und hilflos sieht.

Du bist auf Beziehung angelegt. Dein Wunsch nach Nähe ist legitim und gewollt. Un-Abhängig wirst du nur aus Beziehungen heraus, niemals ohne sie. Es gibt eine gewollte Abhängigkeit, deren Wunsch sich zu binden nicht erlischt und sei er noch so oft missbraucht und enttäuscht worden.

Du selbst bist. So wie ich bin. Mein Ebenbild lebt in dir und will sich herausbilden. Un-Abhängigkeit ist jedoch ein Preis, den kein Mensch zahlen kann ohne dass er verkümmert und Schaden nimmt.

Wenn ich doch nur dein Herz berühren und meine Hand auf deine offenen Wunden legen könnte. Mein Herz trägt deine Trauer. Hab’ auch du den Mut und erkenne sie. Es steht dir Raum dafür zu.

Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände,
deine Mauern habe ich immer vor Augen.
Gott durch Jesaja, Kapitel 49

Bei mir ist Raum genug für dich. Und auch Menschen sind in deiner Nähe, die nicht vor dir zurückschrecken. Ein Stück meiner Gnade und Zuneigung dir gegenüber liegt in ihren Herzen. Wie sehr wünsche ich, dass deine Augen dies erkennen und dein Herz es glauben mag.

Bitte gib’ dich nicht auf. Gib’ auf vor denen, die mit dem Anvertrauten vertrauensvoll umgehen, damit Friede einziehen kann und deine Wunden versorgt werden.

Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch;
nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.
Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.
Jesus in Johannes, Kapitel 14



Spürst du das auch?
Erstellt am 3. Februar 2006 um 00:46 Uhr von Daniel
Abgelegt unter: Körper, Seele und Geist

Beim Mittagessen in der Kantine sitzt 3-4 Stuhlreihen entfernt ein älterer Mann, der alleine isst. In meinem Herz regt sich Schmerz und Mitgefühl weil sich das eigene Gefühl des Allein-Seins mit seinem Da-Sitzen verbindet.

Es geht mir öfter so, dass ich Schmerz und Mitgefühl in mir wahrnehme, wenn ich Situationen vorfinde oder erkenne, die mir selbst bekannt vorkommen oder ich zumindest mit mir bekannten Situatuionen assoziiere.

Der kleine Junge, der gerne Ball spielen will und die Mutter sich nur wütend an ihm auslässt weil sie mit sich selbst und ihrem eigenen Leben überfordert ist.
Das kleine Mädchen, das sich aus dem Vorraum nicht in die Fitnesshalle traut, obwohl dort wahrscheinlich ihr Papa trainiert und sie gerne bei ihm wäre und die vielen Maschinen so interessant aussehen. Wenn Menschen sie ansprechen reagiert sie sehr schüchtern und unsicher.
Ein erwachsener Mensch, dem es kaum gelingt seiner Enttäuschung oder Verletzung Raum zu geben und sich stattdessen weiter in seinem Panzer aus Stolz, Kälte und Isolation verbirgt, den Wunsch nach Anderen, denen er vertrauen und sich öffnen kann, immer weiter verdrängend.

Trotz meiner Schwierigkeiten mit solchen Situationen umzugehen bin ich unendlich dankbar, dass ich wieder anfange mich zu spüren. Der Weg ist sicher noch etwas länger und mitunter auch sehr anstrengend. Aber um nichts auf der Welt wollte ich das wachsen – oder vielmehr wahrnehmen – meiner Emotionen wieder aufgeben.