Integre Gesetzgeber
Erstellt am 23. November 2006 um 22:37 Uhr von Daniel
Abgelegt unter: Medien, Politik

Der folgende Kommentar erschien als “Das Streiflicht” der Süddeutschen Zeitung vom 17. November. Hat mir so gut gefallen, dass ich’s abgeschrieben habe.

Das Streiflicht

Das Buch “Exodus” enthält einen ganz außerordentlichen Fall von Gesetzgebung. In der ersten Phase nahm Mose von Gott allerlei Vorschriften entgegen: hauptsächlich die Zehn Gebote, daneben aber auch Anweisungen, wie man bei diversen Kasualien zu verfahren habe, beispielsweise wenn ein Ochse in eine nicht abgedeckte Zisterne fällt oder wenn ein Firmenchef den Betriebsratschef und dessen Kebsweib mit größeren Mengen Silbers bedenkt. Das alles wurde auf steinernen Tafeln veröffentlicht, das heißt, dazu kam es dann nicht, weil Mose sich, als er mit den Tafeln vom Berg Sinai gestiegen war, derart über sein Volk ärgerte, dass er sie zerschlug. Also musste er nochmal hinauf und sich das Gesetzeswerk vom Herrn neu ausfertigen lassen. Man nannte es damals Mose II, doch verschwand dieser Titel bald wieder, weil Mose I ja vernichtet war und es auch kein Mose III oder Mose IV gab, von denen Mose II sich hätte abgrenzen müssen.

Geht man von der idealistischen, vielleicht auch naiven Vorstellung aus, dass alles Recht auf einem ewig gültigen Gesetz beruhe und dass es Sache des Gesetzgebers sei, die Details dieser lex aeterna nur noch kongenial zu erahnen und möglichst schlüssig niederzuschreiben, dann sollten Gesetze keine Autorennamen tragen. Es sind nicht die schlechtesten Gesetze, die uns anonym und mit Titeln, die diese Anonymität eher noch fördern als aushebeln, aus den einschlägigen Blättern entgegentreten: das FeinGehG, RdFunkAuslG, das BAFISBAÜbnG und wie sie sonst noch heißen. Sie alle haben Anreger, Sachbearbeiter und Verfasser, die Bezeichnungen wie Schmidt II, Meyer IV oder Wurmdobler III mehr als rechtfertigen würden, und begnügen sich stattdessen mit dem sachlich-schlichten Hinweis, wann sie in Kraft treten und welche anderen Vorschriften durch sie außer Kraft gesetzt werden.

Nichtsdestoweniger gibt es eine Reihe gesetzgeberischer Taten, die ihrer Bedeutung wegen den Namen dessen tragen, der sie anregte, vollbrachte oder wenigstens unterschrieb. Sollte in fünfzig Jahren eine Historie dieser Marksteine verfasst werden, könnte deren Verfasser/in aufgrund der Trefferhäufigkeit im Internet zu dem Schluss kommen, dass bei den großen Gesetzgebern der Menschheit eine direkte Linie von Minos über Mose, Zarathustra, Hammurabi, Salomo, Lykurg, Solon, Caesar, Jesus, Justinian, und Napoleon zu Hartz führt, jenem Peter Hartz, dem nun wegen vielfacher Untreue die Justiz im Nacken sitzt. Anders als Mose ließ er sich die nach ihm benannten Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt nicht von oben diktieren, sondern inspirierte sie selber, wobei er, wie die Bonuszahlungen an gute Freunde beweisen, mit solch modernen Dienstleistungen sehr kreativ umzugehen wusste. Manche sagen er hätte schon Hartz I an die Wand schmeißen sollen.

Das Streiflicht der SZ vom 17. November 2006



Erwachsen Sein
Erstellt am 22. November 2006 um 16:51 Uhr von Daniel
Abgelegt unter: Körper, Seele und Geist, Poesie

Ich wollte nie erwachsen sein,
hab immer mich zur Wehr gesetzt.
Von außen wurd’ ich hart wie Stein
und doch hat man mich oft verletzt.

Irgendwo tief in mir
bin ich ein Kind geblieben.
Erst dann, wenn ich’s nicht mehr spüren kann,
weiß ich es ist für mich zu spät …

Unten auf dem Meeresgrund,
wo alles Leben ewig scheint,
kann ich noch meine Träume sehn,
wie Luft, die aus der Tiefe steigt.

Irgendwo tief in mir bin ich ein …

Ich gleite durch die Dunkelheit
und warte auf das Morgenlicht.
Dann spiel ich mit dem Sonnestrahl,
der silbern sich im Wasser bricht.

Irgendwo tief in mir bin ich ein …

Nessaja, die Meeresschildkröte aus “Tabaluga oder die Reise zur Vernunft”

Ich hab’ Tabaluga als Kind geliebt und ständig diese Schallplatte gehört. Das zitierte Lied ist das Ende der ersten Platte und darauf das schönste.