— denkpause

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November 2007 Monthly archive

Washington D.C. ist eine sehr interessante Stadt. Hier findet man neben zahlreichen “Memorials” auch viele Museen zu den unterschiedlichsten Themen. Hat man genug Präsidentenstatuen gesehen, ausreichend viel über amerikanische Geschichte, moderne Kunst und den Holocaust aus amerikanischer Sicht erfahren, so bietet die architektonische Vielfalt dieser Stadt immer noch genügend Stoff für Spaziergänge und Staunen. Selbst einen Laien wie mich beeindrucken die verschiendenen Stile, die Konsequenz dieser Vielfalt und einfach die Schönheit von Bauten, die deutlich älter wirken als sie sind.

Wie bereits angedeutet, interessierte mich unter anderem die amerikanische Sicht auf den Holocaust. Als Deutscher mit magerem Geschichtswissen wurde mir trotz allem gerade dieses Kapitel unserer Geschichte oft genug als Greuel der Superlative eingeimpft, an dessen Unvergleichbarkeit schon einige Menschen des öffentlichen Lebens gestürzt sind. Übrigens – erst neulich las ich, dass die erste Autobahn Deutschlands direkt bei mir vorbeiführt: es ist die heutige A5 (damals Frankfurt – Mannheim – Heidelberg), meine Haus-und-Hof-Autobahn.

Ich besuchte also das Holocaust Memorial Museum und sah mir an, wie der Amerikaner den Holocaust sieht, darstellt und aufarbeitet.

Die Innenarchitektur des Museumgebäudes ist beeindruckend. Die Austellung selbst auch. Ich habe in Deutschland bisher keine solche Ausstellung besucht und finde die Darstellung von der Machtergreifung der Nationalsozialisten, über den Zweiten Weltkrieg und den Genozid selbst bis zum Kriegsende sehr gut umgesetzt. Viele der ausgestellten Materialen kommen natürlich aus Deutschland und viel auch aus polnischen Museumsbeständen.

Nach einem kurzen Einführungsfilm im Aufzug, der einen zur Ausstellung nach oben bringt, steigt man aus und sieht sich mit einer ersten Photografie konfrontiert: einer Nahaufnahme von menschlichen Überresten in einem KZ. Sie liegen unter zwei Eisenbahnschienen begraben und wurden vermutlich bei lebendigem Leib verbrannt. Die Schienen dienten, das Entrinnen zu Verhindern.

Unbehagen macht sich breit, wenn man als Deutscher solch eine Ausstellung betritt, umgeben von Amerikanern, denen man sich nicht zu Erkennen geben möchte. Nach einem kurzen Moment der Reflektion fragt man sich, woher diese Scham kommt – war man schließlich selbst nicht beteiligt an diesem Verbrechen und war bisher doch auch der Meinung, dass selbst dieser Genozid seine Unvergleichlichkeit einbüsst, angesichts der Vielfalt menschlicher Einfälle, was Völkermorde im Allgemeinen angeht.

Es ist sehr bedrückend wenn man sieht zu was Menschen in der Lage sind. Und neben der “Geschichte von Daniel” (einer Ausstellung speziell für Kinder, welche die – möglicherweise fiktiven – Tagebucheinträge eines kleinen jüdischen Jungen names Daniel zur Darstellung des Holocaust verwendet) hat mich folgendes Zitat am meisten getroffen.

Never shall I forget that night,
the first night in camp,
which has turned my life into one long night,
seven times cursed and seven times sealed.

Never shall I forget that smoke.

Never shall I forget the little faces of the children,
whose bodies I saw turned into wreaths of smoke
beneath a silent blue sky.

Never shall I forget those flames
which consumed my faith forever.

Never shall I forget that nocturnal silence
which deprived me, for all eternity,
of the desire to live.

Never shall I forget those moments
which murdered my God and my soul
and turned my dreams to dust.

Never shall I forget these things,
even if I am condemned to live
as long as God himself.

Never.

Elie Wiesel, Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger

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