Mißstände auf weitem Feld
Erstellt am 6. Juli 2009 um 13:08 Uhr von Daniel
Abgelegt unter: Politik

Ich kannte Herrn Mißfelder, seines Zeichens Vorsitzender der Jungen Union in Deutschland, bisher nicht wirklich. Was auch keinen wirklichen Mißstand darstellt wie ich nun feststellen durfte.

Vorneweg: man kann zur Piratenpartei selbstverständlich stehen wie man möchte. Kritik ist in diesem Zusammenhang natürlich erlaubt und sicher auch geboten. Nur ein klein wenig informieren sollte man sich bevor der Mund drauf los plappert und erkennbar wird, dass genau dies nicht getan wurde – nicht einmal im Ansatz.

Gesehen habe ich Herrn Mißfelder in einem Bericht aus Berlin in der ARD am 5. Juli 2009. Und er hat sich durch seine Äusserungen, die ich hier komplett zitieren möchte, nicht unbedingt als informierter Mensch gezeigt:

Die Piratenpartei ist im Kern eine Witzpartei, denn sie hat gar kein inhaltliches Programm, sondern sie fordert populäre Dinge, die bedeuten dass in Zukunft das Internet einfach nur im Chaos sein soll und dass keinerlei Geschäftsmodell mehr überleben kann. Und insofern ist das keine Zukunft.

Philipp Mißfelder im Bericht aus Berlin am 5. Juli 2009

Wie passiert sowas? Standen womöglich Herr Steuber für die Rhetorik und Herr Söder für den Inhalt Pate? Ich will kaum etwas erwidern, dürfte es doch für jeden vernunftbegabten Menschen ersichtlich sein, dass hier eine Verkettung unglücklicher Aussagen stattgefunden hat, die man ohne inneren Konflikt sofort als “unterirdisch dumm” (frei nach Herrn Wiefelspütz) bezeichnen kann.

Natürlich ist die Piratenpartei ernstzunehmen. Das zeigt vor allem die zunehmende Wahrnehmung in den Medien. Natürlich besitzt diese Partei auch ein Programm, welches die Inhalte deutlich macht. Natürlich fordert die Piratenpartei “populäre Dinge”. Das hat auch Ministerin von der Leyen getan – auf eine pervertierte Art, gegen eine breite Front von Experten zum Thema, allen voran der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags. Gute Argumente gegen ihren Populismus gab es sehr viele, geholfen hat es leider nicht viel.

Nun bleibt noch die Behauptung mit dem Chaos und Geschäftsmodell. Die ist so abenteuerlich, dass ich sie Herrn Mißfelder von ganzem Herzen gönne. Nicht zuletzt sie zeigt deutlich, wie informiert der gute Mann ist. Aber was erwarte ich auch, von einem Vorsitzenden der Jungen Union mit meinem Jahrgang. Man darf mit 30 ruhig noch ein wenig auf den Putz hauen und dem emanzipatorischen Drang der Pubertät nachgeben – sprich: über die Stränge schlagen. Es sei ihm verziehen. Wer solchen Blödsinn von sich gibt, hat ganz andere Probleme als politische Auseinandersetzungen zu führen.

Falls sich jemand ein wenig entspannter mit der Piratenpartei beschäftigen möchte, empfehle ich übrigens einen Bericht des Heute Journals. Dieser war ein wenig nachsichtiger als die offensichtlich tendenziöse Bericherstattung der ARD.

Herrn Mißfelder kann ich nur sagen: So ist das keine Zukunft.


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