Für eine Freundin
Du suchst Halt – und findest ihn nicht.
Tief in dir drin das schreiende Kind.
Wechselt zwischen Wut und Schmerz.
Angenommen Sein. Geborgen Sein. Jemand, der aushält.
Tränen, die nicht enden wollten, ließe man sie zu.
Schmerzen, die unerträglich scheinen, weshalb man sie bei Seite schiebt.
Wenn ich eine Antwort wüsste. Kann selbst nur mit dir weinen.
Wenn ich einen Gott kennen würde, der mir selbst verlässlich schiene.
Würde ich ihn dir nennen.
Meine eigene Hoffnung ist Glut, die nicht ersticken will.
Wehrt sich gegen den Zynismus und die Kälte in mir selbst.
Wo sind wir nur hingekommen, dass solches nicht mehr mitteilbar scheint. Wo sind wie gelandet, dass unsere Welt kaum noch echte Nähe kennt.
Ich wünsch dir von Herzen das Beste. Wirklich das Beste.
Und dass du mehr als Hoffnung findest. Dass du ankommen kannst wo dich etwas einhüllt und schützt um Ruhe zu finden und zugleich stärkt um dem Sturm da draussen die Stirn zu bieten.
Es ist ganz einfach
Gestern aus einem Stapel alter Zeitschriften eine gezogen und erst später gemerkt, dass es sich um chrismon handelt. Bin darin auf ein Interview bzw. eine Diskussion zwischen zwei sehr interessanten Gesprächspartnern gestossen, die sich zum Themenkomplex “Kinder, Fernsehen und Computer” kontrovers stritten. Offensichtlich kompetent, da es sich um einen Hirnforscher (studierte Medizin, Psychologie und Philosophie, Habilitation in Psychiatrie) und einen Kinderarzt (studierte Medizin und Psychologie, Habilitation in Kinderheilkunde) handelte.
Nach einem kurzen Blick auf das Bild zum Interview und den Untertiteln zur Überschrift war mir klar, dass der Ältere die Meinung “Fernseher abschalten!” und der Jüngere sicher “Cool bleiben. Und Vorbild sein.” vertreten würde.
Doch weit gefehlt. Beeindruckt muss ich gestehen, dass gerade der Kinderarzt Remo Largo eine Klarheit und Deutlichkeit besitzt, die auf den Punkt bringt, was die eigentlichen Probleme in dieser Fragestellung sind. Er beschließt die Diskussion mit den folgenden Worten:
Es ist ganz einfach: Ein Kind kann bis zum Jugendalter nicht alleine sein. Es braucht immer den Bezug zu einer vertrauten Person. Anders geht es nicht. Und noch etwas: Kinder werden nicht über Worte sozialisiert, sondern über Vorbilder. Deshalb sollten wir uns nicht immer fragen, wie sich das Kind verhalten muss, sondern wie wir uns verhalten müssen. Was müssen die Eltern, die Lehrer? Wie groß darf eine Klasse sein, damit ein Kind sich binden kann an einen Lehrer? Und wie viel Zeit haben die Eltern für das Kind?
[...]
Der durchschnittliche Vater verbringt mit seinem Kind nur 20 Minuten am Tag, ohne die Mahlzeiten. Und ich denke nicht, dass so ein Vater Vorbild sein kann. Vorbilder fehlen. Deshalb suchen sich Kinder ihre Vorbilder im Fernsehen – das ist das Problem, das ich mit dem Fernsehen habe. Aber daran sind nicht die Medien schuld. Daran sind wir Erwachsenen schuld.
Remo Largo, Psychologe und Kinderarzt
Das vollständige Interview lässt sich hier nachlesen.
Ohne Worte
Underneath the door
My father was a doctor
who would come home late at night
with a soul so bruised and bleeding
from his unending faithful fight
to keep a hold of kindness
in a world that isn’t kind
to hold out the hope of healing
to his hurting human kind.
Then he’d flee back to his study
to his bookish quiet place
with notes and books and journals
to all in his special space.
And then he’d lock the door from things
that cannot be locked out
and his youngest son would starve for what
he would always do without.
But it was meant to make me who I am
and for all these many years
still the little boy down on his knees
full of hope and full of fear
calling underneath the door:
“This is me, it’s who I am”.
For we love the best by listening
when we try to understand.
Desperate stubby fingers
pushing pictures ‘neath the door
and longing to be listened to
by the man that I adored.
Inside someone who needed me
just as much as I did him
still unable to unlock the door
that stayed closed inside of him.
And it’s strange the way we tend to flee
from what we need the most.
That a father would lock out his son
when his heart would hold him close.
But our wounds are a part of who we are
and there is nothing left to chance
and pain’s the pen that writes the songs
and they call us forth to dance!
© by Michael Card
Das Lied live gespielt kannst du bei Youtube ansehen & anhören.
Erwachsen Sein
Ich wollte nie erwachsen sein,
hab immer mich zur Wehr gesetzt.
Von außen wurd’ ich hart wie Stein
und doch hat man mich oft verletzt.
Irgendwo tief in mir
bin ich ein Kind geblieben.
Erst dann, wenn ich’s nicht mehr spüren kann,
weiß ich es ist für mich zu spät …
Unten auf dem Meeresgrund,
wo alles Leben ewig scheint,
kann ich noch meine Träume sehn,
wie Luft, die aus der Tiefe steigt.
Irgendwo tief in mir bin ich ein …
Ich gleite durch die Dunkelheit
und warte auf das Morgenlicht.
Dann spiel ich mit dem Sonnestrahl,
der silbern sich im Wasser bricht.
Irgendwo tief in mir bin ich ein …
Nessaja, die Meeresschildkröte aus “Tabaluga oder die Reise zur Vernunft”
Ich hab’ Tabaluga als Kind geliebt und ständig diese Schallplatte gehört. Das zitierte Lied ist das Ende der ersten Platte und darauf das schönste.
Zwangspause
Bronchitis und Blasenentzündung. Wer hat sich sowas nur ausgedacht? Und dann bei diesem Wetter. Vor allem Letzteres macht mir schwer zu schaffen. Weniger körperlich als vielmehr die Tatsache an sich. War ich doch der festen (während unzähligen Zeltlagern gefestigten) Überzeugung so etwas könnten nur Frauen bekommen.
Jetzt sitz’ ich also hier, bin krank geschrieben und zur Zwangspause verdonnert. Das Antibiotikum kämpft für mich und ich bin aufgefordert mir Ruhe zu gönnen. Gut, machen wir das. Viel Tee trinken ist auch kein Problem und das Rauchen lässt man (meist) gerne bleiben, wenn der Hals brennt als wäre eine Horde Katze mit ausgefahrenen Krallen darüber gelaufen.
Fühlt sich an wie Ferien. Nur dass man etwas matt ist und daheim bleiben muss
.
Haltet die Welt an
Haltet die Welt an
Es fehlt ein Stück
Sie soll stehen
Und die Welt dreht sich weiter und dass sie sich weiter dreht
Is’ für mich nicht zu begreifen, merkt sie nicht dass einer fehlt
Haltet die Welt an, es fehlt ein Stück
Haltet die Welt an, sie soll stehen.
Seitdem du weg bist ist so manches ok
Dafür dass es korrekt ist tut es aber ganz schön weh
Ich bin wirklich gesegnet, hatte Glück und vieles
Ist super wie es ist bis auf die Lücke die nicht schliesst
Es ist ein perfekter Kreis von 280 Grad
Der rettende Beweis den ich leider gerad’ nicht hab’
Es ist der Sinn des Lebens den keiner mir verrät
Man muss wirklich kein Genie sein um zu merken dass was fehlt
Bei Gott es fehlt ein Stück
Es ist nicht zu beschreiben wie kalt und leer es ist
Ich versuche nicht zu zeigen wie sehr ich dich vermiss’
Meine Freunde tun ihr Bestes aber das Beste ist nicht gut genug
Für das was du mir warst hat diese Welt kein Substitut
Dies ist ein Akt der Verzweiflung, ein stummer Schrei
Eines Menschen voller Leid und seiner Wunde die nicht heilt
Es ist ein letzter Kampf gegen das woran es liegt
Wie ein Vogel mit nur einem Flügel der bestimmt nicht fliegt
Bei Gott es fehlt ein Stück
[...]
Moses Pelham & Martin Haas, Glashaus 3
Wenn man einen wichtigen Menschen verliert setzt nach der ersten Ohnmacht eine Zeit der Trauer ein. Wenn man in dieser Zeit des manchmal übermächtig empfundenen Verlustschmerzes einen Ort des Trostes findet, dann kann man den Schmerz verarbeiten und er wird langsam nachlassen.
Einem Kind kann man dies nicht erklären, das nimmt man einfach in den Arm und hält es fest.
Ist da etwas?
Bist du ein Gegenüber?
Hast du eine Ahnung davon, wie sich das anfühlt?
Bist du dir deiner Selbst sicher und spürst die Kraft deiner Persönlichkeit?
Oder fühlst du dich schwach, klein und hilflos wenn sich andere Menschen vor dir positionieren?
Kennst du deinen Weg?
Kennst du deine Ziele?
Oder fühlst du dich verlassen und orientierungslos in den Weiten der Möglichkeiten?
Bist du im Stande zu lieben?
Weisst du was Liebe ist?
Kannst du es mit einem Gefühl in dir verbinden?
Oder ist dein Bedürfnis nach Liebe so groß, dass wenig in dir bleibt, das geben kann und möchte?
Hoffnungslos erscheint mir manches, wenn ich mich anschaue.
Und trotzdem wünsche ich mir vieles, das nur langsam Gestalt annimmt.
Jesus, bitte hilf du.
Ich sehe dich und bin dir nah
Ich kenne deine Sehnsucht. Die Sehnsucht nach einem Gegenüber. Nach einem Menschen, der dir Zuneigung entgegen bringt, der die tiefen Stellen in dir berührt, die verletzt und einsam sind. Nach einem Menschen, der sich nicht abwendet, wenn er dich nackt und hilflos sieht.
Du bist auf Beziehung angelegt. Dein Wunsch nach Nähe ist legitim und gewollt. Un-Abhängig wirst du nur aus Beziehungen heraus, niemals ohne sie. Es gibt eine gewollte Abhängigkeit, deren Wunsch sich zu binden nicht erlischt und sei er noch so oft missbraucht und enttäuscht worden.
Du selbst bist. So wie ich bin. Mein Ebenbild lebt in dir und will sich herausbilden. Un-Abhängigkeit ist jedoch ein Preis, den kein Mensch zahlen kann ohne dass er verkümmert und Schaden nimmt.
Wenn ich doch nur dein Herz berühren und meine Hand auf deine offenen Wunden legen könnte. Mein Herz trägt deine Trauer. Hab’ auch du den Mut und erkenne sie. Es steht dir Raum dafür zu.
Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände,
deine Mauern habe ich immer vor Augen.
Gott durch Jesaja, Kapitel 49
Bei mir ist Raum genug für dich. Und auch Menschen sind in deiner Nähe, die nicht vor dir zurückschrecken. Ein Stück meiner Gnade und Zuneigung dir gegenüber liegt in ihren Herzen. Wie sehr wünsche ich, dass deine Augen dies erkennen und dein Herz es glauben mag.
Bitte gib’ dich nicht auf. Gib’ auf vor denen, die mit dem Anvertrauten vertrauensvoll umgehen, damit Friede einziehen kann und deine Wunden versorgt werden.
Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch;
nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.
Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.
Jesus in Johannes, Kapitel 14
Spürst du das auch?
Beim Mittagessen in der Kantine sitzt 3-4 Stuhlreihen entfernt ein älterer Mann, der alleine isst. In meinem Herz regt sich Schmerz und Mitgefühl weil sich das eigene Gefühl des Allein-Seins mit seinem Da-Sitzen verbindet.
Es geht mir öfter so, dass ich Schmerz und Mitgefühl in mir wahrnehme, wenn ich Situationen vorfinde oder erkenne, die mir selbst bekannt vorkommen oder ich zumindest mit mir bekannten Situatuionen assoziiere.
Der kleine Junge, der gerne Ball spielen will und die Mutter sich nur wütend an ihm auslässt weil sie mit sich selbst und ihrem eigenen Leben überfordert ist.
Das kleine Mädchen, das sich aus dem Vorraum nicht in die Fitnesshalle traut, obwohl dort wahrscheinlich ihr Papa trainiert und sie gerne bei ihm wäre und die vielen Maschinen so interessant aussehen. Wenn Menschen sie ansprechen reagiert sie sehr schüchtern und unsicher.
Ein erwachsener Mensch, dem es kaum gelingt seiner Enttäuschung oder Verletzung Raum zu geben und sich stattdessen weiter in seinem Panzer aus Stolz, Kälte und Isolation verbirgt, den Wunsch nach Anderen, denen er vertrauen und sich öffnen kann, immer weiter verdrängend.
Trotz meiner Schwierigkeiten mit solchen Situationen umzugehen bin ich unendlich dankbar, dass ich wieder anfange mich zu spüren. Der Weg ist sicher noch etwas länger und mitunter auch sehr anstrengend. Aber um nichts auf der Welt wollte ich das wachsen – oder vielmehr wahrnehmen – meiner Emotionen wieder aufgeben.
Gerlinde und Ben Skaggs
Ab und zu lese ich die Berichte von Ben Skaggs, die auf der Homepage der Vineyard-Gemeinde in Speyer verlinkt sind. Er schreibt seit dem schweren Fahrradunfall seiner Frau im Mai 2005 über ihren Zustand, den Krankheitsverlauf, die Auswirkungen dieser Situation auf sich und seine Familie sowie die Rolle, die Gott für ihn darin spielt.
Mir kommen beim Lesen regelmässig die Tränen. Ich kann nur schwer in Worte fassen was es ist, das mich daran so sehr berührt. Die Texte transportieren eine Tiefe, Echtheit und Liebe, die meine innere Mauer ohne Probleme durchdringen und tiefere Stellen in mir erreichen.
Lest selbst.